Cichliden von A-Z

Acarichthys heckelii (Müller & Troschel, 1849)

Synonyme: Geophagus (Mesops) thayeri Steindachner, 1875 und Acara subocularis Cope, 1878.

Etymologie: Der Gattungsname setzt sich aus Acará, dem Tupi-Wort für "Cichlide", und ichthos, dem griechischen Wort für "Fisch", zusammen. Der Artname ehrt den österreichischen Fischkundler Jacob Heckel.

Deutscher Name: Heckels Buntbarsch.

Erstbeschreibung: "Horae Ichthyologiae. Beschreibung und Abbildung neuer Fische."

Typusmaterial: Das Typusexemplar gilt als verschollen.

Typusfundort: "[...] in den Sümpfen der Savanne [Guyanas]".

Verwandtschaft: Acarichthys heckelii, einzige Art der Gattung, gehört innerhalb der Unterfamilie Geophaginae Haseman zusammen mit der Gattung Guianacara zur Tribus Acarichthyini Kullander (Kullander 1999).

Verbreitung und Ökologie: Nahezu entlang dem gesamten Amazonas (vom Ucayali in Peru bis zum unteren Xingu in Brasilien) und im oberen Essequibo-Einzug (Guyana); in vielen Habitaten ausgesprochen häufig.

Acarichthys heckeliiist ein Tieflandbewohner. Er ist in stehenden und fließenden Habitaten anzutreffen, die sich durch niedrige Mineralgehalte, saure bis neutrale pH-Werte und hohe Temperaturen auszeichnen (unter 20 µS/cm; pH 4 bis 7; 27 bis 34 °C).

Typische Lebensräume sind die Uferseen am Ucayali/Amazonas - Solimões/ Amazonas und an den Unterläufen der Nebenflüsse, dort vor allem flache, verkrautete Uferbuchten, aber auch Restwassertümpel oder mit Überschwemmungswald (Igapó) bestandene Ufer. Die Art ist nur selten in kleineren Bächen anzutreffen. Sandstrände kleinerer und größerer Flüsse scheinen dagegen zu ihren bevorzugten Habitaten zu gehören. Nur selten wird A. heckeliials Speisefisch genutzt. Hin und wieder findet man einige Exemplare auf Fischmärkten.

Ersteinfuhr: Erstmals wurde A. heckeliiEnde der 60er Jahre nach Deutschland eingeführt. Meistens waren es Jungfische, die als Beifänge von Erdfressern und Zwergbuntbarschen, zunächst aus Guyana, später überwiegend aus Brasilien, in die Aquarien der Importfirmen gelangten.

Größe, Geschlechtsunterschiede: Acarichthys heckeliierreicht eine Gesamtlänge von rund 20 Zentimetern. Männchen werden etwas größer als die Weibchen und besitzen stärker vergrößerte beziehungsweise verlängerte Flossen.

Pflege und Zucht: Dieser Buntbarsch ist ein einfach zu haltender Erdfresser, den man am besten in einer Gruppe aus sechs oder mehr Exemplaren pflegt. Das Aquarium sollte eine Fläche von wenigstens 50 bis 60 x 120 bis 150 Zentimetern aufweisen. Die Einrichtung besteht am zweckmäßigsten aus einzelnen Steinen und einigen größeren Wurzeln, der Bodengrund aus einer mehrere Zentimeter hohen Schicht aus Sand und/ oder feinem Kies. Die Temperatur sollte mindestens 25 °C betragen; für die Zucht sind höhere Werte zu empfehlen (27 bis 30 °C). Die chemischen Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung, solange Härte und pH-Wert nicht zu hoch liegen.

Erstmals gelang es Baran (1981), die Art im Aquarium zu vermehren. Seine Zuchttiere waren gut 15 Zentimeter lang. Als Laichhöhle stand ihnen ein 25 Zentimeter langes Bonbonglas zur Verfügung (Durchmesser 20, Größe der Einschlupföffnung 15 Zentimeter), das mit Moorkienwurzeln so abgedeckt war, dass die Fische nur von der Seite einschwimmen konnten.

Drei Tage dauerte es, bis die Larven aus den weißen, an der Höhlendecke abgesetzten Eiern schlüpften; sechs Tage später schwammen die Jungfische frei. Sie waren nur 3,5 Millimeter lang, fraßen aber sofort zerriebenes Trockenfutter, Eigelb und Flüssignahrung. Ihre Aufzucht war einfach.

Auch Morche (1993) gelang die Nachzucht, nachdem er die Aquariendekoration um ein Bonbonglas vervollständigt hatte. Das zwölf Zentimeter lange Weibchen räumte das Glas leer und lockte das 18 Zentimeter lange Männchen unter lebhaften Schwimmbewegungen mit gespreizten Flossen und hervorgetretener Legeröhre zum Laichplatz. Das an der Höhlendecke abgesetzte Gelege umfaßte etwa 400 Eier, die vom Weibchen befächelt wurden. Sechs Tage später schwammen die Jungfische vor dem Höhleneingang frei, verteilten sich jedoch innerhalb weniger Stunden über das gesamte Aquarium, so dass die Eltern nicht in der Lage waren, den Schwarm zusammenzuhalten.

Ähnliches beobachtete ich in einem Becken mit der Grundfläche 170 x 70 Zentimeter. Als Laichhöhle bot ich einem Paar ein waagerecht im Sandboden vergrabenes knapp 50 Zentimeter langes Drainagerohr mit einer lichten Weite von zehn Zentimetern, die sich zum Eingang auf 7,5 Zentimeter verringerte. Ich füllte den Tunnel mit Sand, Kies und Holzstückchen. Nachdem das Weibchen ihn leergeräumt hatte, laichten die Fische, für mich völlig verborgen, im hinteren Bereich der Höhle. Bei 30 °C dauerte es knapp sechs Tage, bis die Jungfische frei schwammen. Hielten sie sich zuerst ausschließlich im Tunneleingang auf, wurden sie nur einen Tag später eine leichte Beute für die im gleichen Aquarium lebenden Uaru amphiacanthoides: Trotz heftiger Angriffe gelang es den Eltern nicht, ihre ausschwärmende Brut vor den geduldig lauernden und gezielt zustoßenden Keilfleckcichliden zu schützen.

In einer ihm zusagenden Umgebung kann sich Heckels Buntbarsch "kaninchenartig" vermehren; das sah ich im August 1993 in einem Hotel in Manaus mit eigenen Augen: In einem der großen Restaurantaquarien wimmelte es von Tieren aller Größen. Dabei machte das Becken keineswegs einen besonders gepflegten Eindruck: Die Dekoration bestand aus Wurzeln, das Wasser (aus dem Rio Negro) war tiefbraun, aber die Buntbarsche fühlten sich sichtlich wohl.

Bezüglich der Ernährung ist A. heckeliiebenfalls kein Problemfisch; die Art hat sich als Allesfresser erwiesen. Delikatessen sind Bachflohkrebse, Garnelen, Muschel- und Krabbenfleisch, Mückenlarven und Regenwürmer; aber auch Trockenfutter, Tümpelplankton und Tubifex werden gefressen.

Verfasser: Rainer Stawikowski.

Literatur

  • Baran, G. (1981): Erstmals gelungen: Die Zucht von Acarichthys heckelii. DCG-Informn. 12: 185-190.
  • Morche, H. (1993): Acarichthys heckelii Müller & Troschel, 1848 [sic]. DCG-Informn. 24 (4): 76- 79.
  • Kullander, S. O. (1998): A phylogeny and classification of the South American Cichlidae (Teleostei: Perciformes). Phylogeny and classification of neotropical Fishes. Mus. Cienc. Tecn. PUCRGS, Porto Alegre.
  • Müller, J., & F. H. Troschel (1849): Horae Ichthyologiae. Beschreibung und Abbildung neuer Fische. Berlin.

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