Deutsche
Cichliden-Gesellschaft
e.V.
Die Fachleute für Buntbarsche

In eigener Sache

Bielefeld existiert (oder auch nicht)!

Ein kurzes Resümee zum 25jährigem Jubiläum der DCG-Region OWL

Einer weit verbreiteten These zufolge, gibt es die Stadt Bielefeld überhaupt nicht (siehe unter “Bielefeldverschwörung” im Internet). Dieser Behauptung kann und muss ich (vorerst) nach der Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung vom 16. und 17. Mai 2009 auf das Heftigste widersprechen. Bielefeld existiert, und wie! Bereits im Eingangsbereich des Brenner-Hotels wurde der anreisende Gast mit einem imposanten Aquarium überrascht. Darin zeigten Buntbarsche aus dem Malawisee ihre ganze Pracht. Überaus erfreulich war, dass bei der Einrichtung des Aquariums auf die Ausstattung mit weißem, sandgestrahlten “jugoslawischen” Lochgestein völlig verzichtet wurde. Allein diese “Begrüßung” machte schon Lust auf mehr, denn bei Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung zum 25jährigen Jubiläum der DCG-Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) waren offensichtlich Kenner am Werk. Das Nano-Aquarium an der Hotelrezeption war eine zusätzliche nette Aufmerksamkeit für Cichlidenliebhaber, der man die feinfühlig lenkende, zarte Hand der gionalobfrau deutlich anmerkte. Die Ausstellung selbst ließ bei allen Besuchern keinerlei Wünsche offen. In mehr als einem Dutzend Aquarien wurde die große Spannbreite der Cichlidenaquaristik gezeigt. Die gelungene Präsentation war allein schon eine Reise nach Bielefeld wert. Besonders lobend erwähnen möchte ich bei dieser Gelegenheit die Aquarienwand des Arbeitskreises Zwergcichliden (AKZ). Mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail wurden hier Zwergbuntbarsche vorgestellt, die einfach begeistern mußten. Ebenso wie die Fische des AKZ wußten die anwesenden Mitglieder des AKZ-West Freunde zu gewinnen. Solch nette Tage in entspannter Atmosphäre sollten unter den Liebhabern von Buntbarschen nicht die Ausnahme bleiben.

In Bielefeld war es somit ausgesprochen angenehmen, zu angenehm vielleicht? Zu schön, um wahr zu sein? Die “Bielefeldverschwörung” kam mir wieder in den Sinn.

Stutzig musste ich bei zwei in der Ausstellung präsentierten Aquarien werden, die jeweils folgende Beschilderung trugen:

“Symphysodon diskus (Zuchtform Rottürkis) aus div. Flüssen und Seen Südamerikas”.

“Hemichromis christatus aus Südamerika”.

Sind das vielleicht verschlüsselte Hinweise, Hilfeschreie einer gequälten Seele, um uns Unwissenden mit subtilen Mitteln auf die eventuell doch existierende “Bielefeldverschwörung” aufmerksam zu machen? Während einige DCG-Vorstandsmitglieder auch heute noch versuchen, diese vermeintlich codierten Botschaften zu dechiffrieren, bin ich der festen Überzeugung, dass hier ein Mitglied der Region OWL zum 25jährigen Bestehen lediglich neue Wege in Aquaristik und Ichthyologie zu beschreiten versucht. Mit provokanten Beschilderungen will er aufrütteln und fordert somit zur qualifizierten Auseinandersetzung mit der Thematik auf. Lautete in den 1960er Jahren der Slogan an den Universitäten “Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren”, so wird durch die Beschilderung der Aufschrei “In unseren Aquarien, die Wissenschaft von 200 Jahren” provoziert. Das ist aufrüttelnd und genial geplant. Wer hätte gedacht, dass dem unbedarften Besucher einer Ausstellung zum 25jährigen Bestehen einer DCG-Region derartiger “Sprengstoff” präsentiert wird?

Man muss den Mut der Region Ostwestfalen-Lippe und des Diskus-Ausstellers bzw. des Hemichromis-Sponsoren (in Personalunion) bewundern, die offenbar zu stark ausgetretenen Pfade der Taxonomie, Systematik, der Allgemeinen Zoologie sowie der Zoogeografie zu verlassen und ganz neue, eigene Wege zu beschreiten. Während Wissenschaftler mit aufwändigen Analysen mitochondrialer DNS-Abschnitte die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der heroinen Buntbarsche zu klären versuchen, und von Fachleuten anhand von der Ergebnisse der mt-DNS-Sequenzierungen darüber heftigst diskutiert wird, wie viele Arten die Gattung Symphysodon eigentlich beinhaltet, wird hier von einem Mitglied der Region Ostwestfalen-Lippe intuitiv entschieden was “Sache” ist.

Das ist mutig, überaus kühn und vielleicht sogar auch ein bißchen revolutionär. Es ist schön, dass solche Visionäre eine Heimat in der DCG-Region OWL gefunden haben. Wenn kleingeistige Kritiker behaupten, dass diese “Revolution” einzig auf einem eklatanten Mangel an Fachwissen beruht, muss ich entgegen halten, dass zum Großteil Neues in dieser Welt nur von beharrlichen “Fantasten” geschaffen wurde. Seinen wir doch einmal ehrlich, wo stände die Menschheit heute, wenn Christof Kolumbus nicht nach “Indien” aufgebrochen wäre, und Charles Darwin die Galapagos-Inseln nicht bereist hätte? Wünschen wir also dem “Neuen Wilden”, dem “Diskus-Revoluzzer” innerhalb der Region OWL, der es in Angriff genommen hat, die Fesseln von Wissenschaft und Logik zu abzuwerfen, auch eine(n) “Beagle” mit der er in die weite Weilt hinausfahren kann, und lange, sehr lange vor Ort bleibt, um Aquaristik sowie Ichthyologie neu zu erfinden. Ein Vertreter der Gattung Hemichromis wurde ja bereits von ihm in Südamerika vorgefunden, wie man in der Ausstellung in Bielefeld lesen und sehen konnte. Nun hoffen wir natürlich auf weitere eindeutige Funde (Befunde?).

Nicht wenige DCG-Mitglieder warten nun gespannt darauf, mit welchen erstaunlichen Neuigkeiten uns der niedliche “Revoluzzer” der DCG-Region OWL auf den Ersten Internationalen Cichliden-Tagen in Duisburg wieder überraschen wird: Vielleicht mit diskusfreien Parasiten? Ich freu` mich!

Mit bestem Grinsen aus der DCG-Redaktion

Roland F. Fischer

 

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